Gritzner R – Badische Wertarbeit aus dem 19. Jahrhundert

| Modell: | Gritzner R |
|---|---|
| Herkunft: | Gritzner & Co AG, Karlsruhe-Durlach, Deutschland |
| Seriennummer: | 225484 |
| Baujahr: | ca. 1893 |
| Greifersystem: | Schwingschiffchen |
Ein Meisterstück der badischen Ingenieurskunst.
Die Gritzner R ist ein beeindruckendes Zeugnis der frühen deutschen Industriegeschichte. Gefertigt im Jahr 1893 von der renommierten Maschinenfabrik Gritzner in Karlsruhe-Durlach, einem der ehemals größten Nähmaschinenhersteller Europas, repräsentiert dieses Modell höchste handwerkliche Qualität aus der Epoche des Kaiserreichs.
Ein absolutes technisches Highlight dieser Maschine ist ihr integrierter Rückwärtsgang. Diese Innovation war ihrer Zeit so weit voraus, dass Branchenprimus Singer eine vergleichbare Funktion erst rund 40 Jahre später in seine Haushaltsmaschinen einbaute. Im Inneren arbeitet ein robustes Schwingschiffchen-System, das auch heute noch durch extreme Langlebigkeit und ein absolut präzises Stichbild besticht.
Optisch ist die komplett aus Metall gefertigte Maschine ein echtes Schmuckstück. Besonders auffällig sind die kunstvollen, handgefertigten Schwalbenmotive, die das tiefe Schwarz des Gehäuses zieren. In der damaligen Zeit galten Schwalben als Symbol für "Schnelligkeit" und unterstrichen den Anspruch der Maschine auf eine effiziente Arbeitsweise. Diese Gritzner R ist damit nicht nur ein massives, kraftvolles Werkzeug, sondern auch ein faszinierendes Kunstwerk der Technikgeschichte.
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Singer Klasse 15 – Die Unverwüstliche aus Wittenberge

| Modell: | Singer Klasse 15 (Version 15-30, mit außenliegender Fadenspannung) |
|---|---|
| Herkunft: | Singer Werk Wittenberge, Deutschland |
| Seriennummer: | C2379262 |
| Baujahr: | ca. 1927 |
| Greifersystem: | Oszillierender CB-Greifer (Rundspule) |
| Antrieb: | Tretmechanismus (Fußbetrieb) |
Ein Stück preußische Präzisionsarbeit.
Diese Singer Klasse 15 ist mehr als nur eine Nähmaschine; sie ist ein Zeitzeuge deutscher Industriegeschichte. Sie stammt nicht aus Amerika oder Schottland, sondern wurde im legendären Singer-Werk in Wittenberge gefertigt. Anhand ihrer Seriennummer C2379262 können wir ihre Entstehung auf etwa das Jahr 1927 datieren.
Dieses Exemplar zeigt sich in einem guten, ehrlichen Erhaltungszustand. Der tiefschwarze "Schellack" zeigt eine wunderschöne, altersgemäße Patina, die von fast einem Jahrhundert Leben erzählt, ohne die edle Optik zu beeinträchtigen.
Die Maschine wurde technisch komplett durchgesehen, gereinigt und neu geölt. Die Mechanik läuft satt, weich und mit dem charakteristischen, beruhigenden "Klacken". Sie ist voll funktionsfähig und bereit für spannende Projekte.
Technik: Warum die "15" eine Legende ist: Die Singer Klasse 15 gilt vielen als die klassische Haushaltsnähmaschine schlechthin. Ihr Konstruktionsprinzip war so erfolgreich, dass es noch Jahrzehnte später weltweit kopiert wurde. Auch in manchen modernen Maschinen wird die CB-Greifer Technik heute noch eingesetzt.
CB-Greifer: Das Herzstück dieser Maschine ist der sogenannte oszillierende CB-Greifer (Central Bobbin). Im Gegensatz zu den älteren "Schwingschiffchen"-Modellen (wie der Singer 128) wird hier eine runde Spule in einer Kapsel seitlich links eingesetzt. Dieses System ist extrem robust, verzeiht vieles und ist sehr wartungsfreundlich.
Perfekte Geradstich: Diese Maschine kann "nur" geradeaus nähen – aber das in einer Perfektion, die viele moderne Maschinen in den Schatten stellt.
Durchstichkraft: Dank der massiven Gusseisen-Konstruktion und der direkten Kraftübertragung durch das Fußpedal entwickelt die Wittenbergerin eine enorme Durchstichkraft. Mehrere Lagen Denim, festes Leinen oder Leder sind für sie kein Problem.
Für wen ist diese Maschine? Für Liebhaber von "Guss & Garn", die echte Mechanik spüren wollen. Sie ist ideal für alle, die Wert auf ein perfektes Stichbild legen und eine Maschine suchen, die nicht aus Plastik, sondern aus für die Ewigkeit gebautem Metall besteht
Besonderheiten:
- Der Hauptplattenschieber und das Spulengehäuse wurden durch Neuteile ersetzt, da diese beim Ankauf fehlten
- Neuer Lederantriebsriemen
- Gut erhaltene original Gebrauchsanweisung
- Zahlreiche weitere original Zubehörteile
Videos:
Spuler:
Nähprobe:
Singer Klasse 15 – Schottischer Klassiker aus Kilbowie
| Modell: | Singer Klasse 15 (Version 15-30, mit außenliegender Fadenspannung) |
|---|---|
| Herkunft: | Singer Werk Kilbowie, Schottland |
| Seriennummer: | Y406482 |
| Baujahr: | 1922 |
| Greifersystem: | Oszillierender CB-Greifer (Rundspule) |
| Antrieb: | Tretmechanismus (Fußbetrieb) |
Ein Jahrhundert schottische Ingenieurskunst.
Mit der Seriennummer Y406482 halten wir ein echtes Jubiläumsstück in den Händen: Diese Singer Klasse 15 verließ im Jahr 1922 das berühmte Werk in Kilbowie bei Glasgow. Damit hat diese Maschine die magische Grenze von 100 Jahren überschritten und repräsentiert die Blütezeit der schottischen Metallverarbeitung, die weltweit für ihre Unverwüstlichkeit bekannt war.
Der optische Zustand ist authentisch und "ehrlich". Über ein Jahrhundert hinweg hat sich auf der tiefschwarzen Lackierung eine feine Patina gebildet, welche die Geschichte dieser Maschine unterstreicht, ohne ihre würdevolle Eleganz zu verlieren. Es ist kein klinisches Neugerät, sondern eine Maschine mit Seele.
Technisch wurde dieses Exemplar sorgsam revidiert. Wir haben sie behutsam gereinigt, fachmännisch geölt und alle mechanischen Abläufe geprüft. Das Ergebnis ist ein wunderbar weicher, taktiler Lauf, der die hohe Fertigungsqualität der frühen 1920er Jahre spürbar macht.
Was macht die "Schottin" so besonders? Die Klasse 15 war die erste Maschine, die das Prinzip der zentralen Spulenkapsel (CB-Greifer) perfektionierte. Während viele Konkurrenzmodelle jener Zeit noch mit vibrierenden Schiffchen arbeiteten, bot diese Singer bereits die überlegene Laufruhe und Zuverlässigkeit, die sie zum Standard für Generationen von Schneidern machte.
Ungeahnte Kraft: Lassen Sie sich nicht von ihrem Alter täuschen. Durch die massive Bauweise aus Gusseisen und die direkte Kraftübertragung des Tretmechanismus meistert diese Maschine Materialien, an denen moderne Kunststoffgeräte scheitern würden. Ob derbes Segeltuch, mehrere Lagen Jeans oder festes Leder – die 15er arbeitet sich mit stoischer Ruhe hindurch.
Präzision im Geradstich: Ihr Spezialgebiet ist die absolute Perfektion der Naht. Das Stichbild ist von einer Regelmäßigkeit, die heute nur noch schwer zu finden ist. Sie ist die ideale Wahl für Puristen, die das bewusste, entschleunigte Nähen schätzen.
Ein Erbstück für die Zukunft: Diese Maschine ist nicht für den schnellen Konsum gebaut, sondern für die Ewigkeit. Sie ist ein funktionsfähiges Denkmal für alle, die echte Mechanik zum Anfassen suchen und Wert auf langlebiges Werkzeug statt Wegwerfware legen.
Besonderheiten:
- Sphinx Dekor (Memphis)
- Kunstvoll gestaltete Stirnplatte
Singer Klasse 15-88 – Singer mit Rückwärtsgang
| Modell: | Singer Klasse 15-88 (Modernisierte Version mit verdeckter Fadenspannung) |
|---|---|
| Herkunft: | Singer Nähmaschinen AG, Werk Wittenberge, Deutschland |
| Seriennummer: | C2654133 |
| Baujahr: | ca. 1928 |
| Greifersystem: | Oszillierender Zentralspulen-Greifer (CB-System) |
| Antrieb: | Tretantrieb über Flachbett-Gestell |
Ein Meilenstein der deutschen Feinmechanik.
Diese Singer 15-88 repräsentiert die nächste Evolutionsstufe der legendären 15er-Reihe. Gefertigt im Prignitzer Werk Wittenberge, steht dieses Exemplar für die kompromisslose Qualität "Made in Germany" der späten 1920er Jahre. Mit der Seriennummer C2654133 blicken wir auf eine Maschine, die am Vorabend der großen technischen Umbrüche entstand und bereits modernste Komfortmerkmale ihrer Zeit vereint.
Das Erscheinungsbild ist geprägt von einer schlichten, fast schon sachlichen Eleganz. Das hier verwendete Dekor wirkt im Vergleich zu den frühen Ornamenten deutlich aufgeräumter und unterstreicht den Werkzeug-Charakter dieser Hochleistungsmaschine. Der Lackzustand ist bemerkenswert und zeugt von einer pfleglichen Behandlung über die letzten Jahrzehnte.
Technisch wurde die Maschine umfassend gewartet. Sie wurde von verharzten Rückständen befreit, frisch geölt und präzise justiert. Das Ergebnis ist ein extrem leichter Anlauf und ein für die 15-88 markantes Arbeitsgeräusch, das man bei modernen Maschinen oft vergeblich sucht.
Was diese 15-88 besonders macht:
- Vielseitigkeit: Durch den universellen CB-Greifer ist sie extrem unempfindlich gegenüber verschiedenen Garnstärken. Von feiner Seide bis hin zu dickem Sattlergarn verarbeitet sie alles mit derselben Präzision.
- Massive Bauweise: Selbst bei hoher Nähgeschwindigkeit steht die Maschine absolut stabil im Tisch, was besonders bei langen Stoffbahnen von Vorteil ist.
Singer Klasse 128K – Ein Schmuckstück aus Kilbowie

| Modell: | Singer Klasse 128K |
|---|---|
| Herkunft: | Singer Werk Kilbowie, Schottland |
| Baujahr: | 1932 |
| Greifersystem: | Schwingschiffchen |
Fantastisch erhaltene Handwerkskunst.
Besonders beeindruckend an dieser aus dem schottischen Kilbowie stammenden Singer 128K sind die außergewöhnlich gut erhaltenen Dekorationen. Die goldenen Ornamente strahlen auf dem tiefschwarzen Lack eine Eleganz aus, die sie zu einem echten historischen Schmuckstück machen.
Aber nicht nur optisch ist diese Maschine ein Highlight: Auch technisch ist sie herausragend. Das bewährte Schwingschiffchen-System besticht durch eine absolute Leichtgängigkeit und Laufruhe. Diese fantastisch erhaltene Maschine näht genauso wunderbar weich und präzise, wie man es von einem frisch restaurierten Meisterwerk dieser Ära erwarten darf.
Singer Klasse 201 – Technischer Höhepunkt aus Wittenberge
| Modell: | Singer Klasse 201G (Die "Königsklasse") |
|---|---|
| Herkunft: | Singer Werk Wittenberge, Deutschland |
| Seriennummer: | C3506090 |
| Baujahr: | ca. 1930 |
| Greifersystem: | Horizontaler Rotationsgreifer (Full Rotary) |
| Antrieb: | Tretmechanismus |
Der technische Höhepunkt aus Wittenberge.
Die Singer 201 ist das Ergebnis jahrzehntelanger Perfektionierung. Während die Klasse 15 ein robustes Arbeitstier ist, stellt die 201 die absolute Oberklasse der mechanischen Ingenieurskunst dar. Dieses in Wittenberge gefertigte Exemplar mit der Seriennummer C3506090 stammt aus der Ära, in der keine Kosten gescheut wurden, um die laufruhigste Nähmaschine der Welt zu erschaffen.
Optisch besticht diese Maschine durch das ikonische "Art Deco"-Design der frühen 30er Jahre. Die klaren Linien und das schlichte, aber edle Golddekor auf dem tiefschwarzen Korpus spiegeln den modernen Zeitgeist wider, der in Wittenberge Einzug hielt. Der Erhaltungszustand des Lacks ist exzellent, einzig das Golddekor hat durch viele Arbeitsstunden ein wenig gelitten.
Das Besondere an der 201 ist ihr fast lautloser Lauf – ein mechanisches Flüstern, das durch das aufwendige Getriebe im Inneren ermöglicht wird.
Warum die Singer 201 die "Königin" ist:
- Horizontaler Rotationsgreifer: Im Gegensatz zum oszillierenden Greifer der Klasse 15 rotiert das Herzstück der 201 kontinuierlich in eine Richtung. Das eliminiert Vibrationen fast vollständig und sorgt für ein extrem ruhiges, präzises Nähgefühl.
- Direktgetriebe: Die Kraftübertragung erfolgt bei diesem Modell über präzise gefräste Zahnräder statt über einfache Hebel. Das macht sie zur stärksten Haushaltsnähmaschine ihrer Zeit, die selbst schwerstes Leder mit einer Leichtigkeit durchsticht, als wäre es Seide.
- Stichperfektion: Der horizontal liegende Spulenkasten ermöglicht eine absolut gleichmäßige Fadenspannung. Das Ergebnis ist eine Naht, die auf Ober- und Unterseite vollkommen identisch und makellos aussieht.
Singer Klasse 216G – Zickzack Maschine aus Karlsruhe
| Modell: | Singer Klasse 216G (Zickzack-Flachbett) |
|---|---|
| Herkunft: | Singer Werk Karlsruhe-Durlach, Deutschland |
| Seriennummer: | PC062952 |
| Baujahr: | ca. 1954 |
| Greifersystem: | Querliegender Umlaufgreifer (Rotary Hook) |
| Funktionen: | Geradstich & präziser Zickzackstich |
Die Zickzack-Meisterin aus Karlsruhe.
Die Singer 216G ist ein echtes Kind des deutschen Wirtschaftswunders. Produziert im Werk Karlsruhe-Durlach, markiert sie den Moment, als die Nähmaschine im Haushalt endgültig zum kreativen Alleskönner wurde. Mit der Seriennummer PC062952 repräsentiert dieses Modell die sprichwörtliche "Badische Präzision" der 1950er Jahre.
Das Design dieser Maschine ist eine gelungene Mischung aus Tradition und Moderne. Während das schwere Gussgehäuse und der schwarze Originallack noch an die klassische Singer-Ära erinnern, zeigen die Bedienelemente für die Stichbreite bereits den Weg in eine neue Zeit der textilen Gestaltung. Die goldfarbenen Dekore sind hier bewusst dezenter gehalten, um die technische Eleganz der Maschine zu betonen.
Besonderes Augenmerk bei der Restaurierung lag auf der Mechanik der Zickzack-Steuerung, die nun wieder butterweich und absolut exakt arbeitet. Die Maschine wurde gereinigt, frisch geölt und auf Herz und Nieren geprüft.
Warum die 216G in jedes Atelier gehört:
- Präziser Zickzackstich: Die Mechanik ist so fein justierbar, dass sie selbst bei hoher Geschwindigkeit einen absolut sauberen Zickzack wirft. Das macht sie – wie im Video demonstriert – zum absoluten Spezialisten für handgeführte Knopflöcher und Versäuberungen.
- Umlaufgreifer-Technologie: Im Inneren arbeitet ein hochwertiger Umlaufgreifer. Dieser sorgt nicht nur für ein ruhiges Laufgeräusch, sondern ermöglicht auch ein sehr schnelles Nähen ohne Fadenreißen.
- Versenkbarkeit des Transporteurs: Per einfachem Hebel lässt sich der Stofftransport versenken. Damit wird die 216G zur idealen Maschine für Freihand-Stickereien oder zum Stopfen.
- Robustheit trifft Flexibilität: Sie besitzt die Durchstichkraft der alten 15er-Modelle, bietet aber durch die verstellbare Nadelposition (links, mitte, rechts) deutlich mehr Möglichkeiten beim Einnähen von Reißverschlüssen oder beim knappen Absteppen von Kanten.
Videos:
Knopfloch:
Singer Klasse 316G – Pionierin der Schablonen-Automatik

| Modell: | Singer Klasse 316G |
|---|---|
| Baujahr: | ca. 1950/1960 |
| Status: | Unrestauriert (Fundzustand) |
| Besonderheit: | Zickzack-Automatik mit auswechselbaren Programm-Schablonen |
Ein spannendes Restaurierungsprojekt.
Diese Singer 316G ist gerade erst bei uns eingetroffen und steht noch ganz am Anfang ihrer Aufarbeitung. Das Modell ist historisch und technisch besonders interessant: Sie war eine der ersten Maschinen, die über eine Zickzack-Automatik verfügte, bei der die Zierstiche über eine raffinierte Mechanik mit verschiedenen, auswechselbaren Programm-Schablonen (oft als Zierstichscheiben bezeichnet) erzeugt wurden.
Zustand: Die Maschine zeigt deutlich, dass sie in der Vergangenheit viel gearbeitet hat. Leider befindet sich insbesondere der Lack des Maschinenbetts in keinem guten Zustand und erfordert viel Zuwendung. Ein großer Lichtblick ist jedoch das Innenleben: Die Mechanik macht auf den ersten Eindruck einen erstaunlich leichtgängigen Eindruck, was eine hervorragende Basis für die anstehende Restaurierung verspricht.